Zwakkelmann

Zwakkelmann

Zwakkelmann ist Reinhard Schlaffke Wolff (ex Schließmuskel) und seit dem Jahr 2003 mehr oder weniger solo unterwegs. Heute scheint Zwakkelmann als Band durchzugehen, aber irgendwo bin ich wohl von Anfang an falsch abgebogen und so bleibt der Name in meinem Buch als Einzelmaske erhalten. Deutschland hat ja neben Jazz, Beat und Punk in den späten 60ern und frühen 70ern (bis und mit 1974) so einige Marken gesetzt. Schliessmuskel gehörte definitiv zu den Protagonisten der Punks in der BRD und veröffentlichte zwischen 1987 bis 2000 total sechs Alben (plus eine Kompilation, ein Video und ein paar Singles).

Und danach gabs eben Herrn Wolff solo. Und Punk war da nicht mehr so viel, als Attitude ja, musikalisch eher nein und trotzdem nicht zu trennen. Alleine die Texte nehmen kein Blatt vor den Mund und da wird rumgestochert in der Gesellschaft und dem kleinteiligen Netzwerk, dass es manchmal weh tut. Aber das ist richtig so, dem Heiri Müller hört ja niemand zu, aber wenn jemand ein öffentliches Profil hat, dann darf er ruhig was sagen. Und wenn Zwakkelmann ein paar Kunden wegen seiner Ansichten verliert, dann geh ich mal davon aus, dass ihm das auch noch recht ist. Die CDs bis jetzt:

Spritztour – Empty Records, Kult Klang Records – MT 538, KKR 001 – 2004
Stubenrocker – Empty Records, Kult Klang Records – MT 545, KKR 002 – 2006
Vollhorst – RilRec – RR005 – 2008
Kulturbeutel – RilRec – RR 015 – 2010
Briefmarkenalbum – RilRec 027 – 2012
Zwakkelmania – RilRec 034 – 2013
Entschuldigung – Hulk Räckorz – Hulk 492 – 2016
Papa Punk – Hulk Räckorz – Hulk 522 – 2019
Liebhaberei – Hulk Räckorz, Kult Klang Records – Hulk 552, KKR 9 – 2022

Ich habe zu Zwakkelmann vor Jahren (um 2005 wohl) etwas im damaligen Rockzirkus Blog geschrieben und jetzt, 20 Jahre später, bin ich nicht schlauer geworden. Hätte ich den Text noch, ich würde den hier wohl 1:1 reinsetzen. Es ergibt zwar alles einen Sinn, vieles davon ist widersprüchlich aber soll wohl auch nicht wissenschaftlich seziert werden. Die Texte mäandern zwischen knallharten Wahrheiten und ironischen Seitenhieben, aber bei beiden Extremen hat man nie das Gefühl, hier wären Texte geschrieben worden, um einen Füller zu produzieren. Meistens sind die Lyrics sehr amüsant und wirken vielleicht auch so direkt, weil man dazu keine zehn Semester in Staatskunde belegen muss. Zwakkelmann ist jedenfalls keine Ton Steine Scherben und trotzdem haben die mehr gemeinsam als man sich vordergründig denken kann.

Die Balance, die der Hörer hier halten muss, ist schwierig zu beschreiben. Einerseits werden Themen angesprochen, die immer sehr relevant sind, andererseits werden diese in einem locker/luftigen Ton vorgetragen, man könnte manchmal fast den Faden verlieren und die Intention (so ich sie interpretiere) missverstehen. Aber Leute, kommt schon, man kann nicht so doof sein, den Zwakkelmann wirklich zu missverstehen. Aber es ist halt auch nicht die Backgroundmusik um auf brennende Barrikaden zu steigen, etwas subtiler kommt das schon daher. Die Band spielt locker auf zum Tanz (ahem!) und das passt wie die Faust aufs Auge. Schlagzeug, Gitarre und Bass stellen sich ganz in den Dienst der Message.

Natürlich ist Zwakkelmann selbst der Sänger und schon das ist ein Erlebnis. Die Art und Weise, wie er die Texte betont sind nicht von dieser Welt und der Ernsthaftigkeit durchaus angebracht. Und machen sich auch gut auf der Ironie-Schiene. Eine Empfehlung? Nein, wenn ihr eine CD habt, dann wollt ihr alle. Wetten? Allerdings kann man sich die „Zwakkelmania“ wohl abschminken, die ist so nicht mehr ehältlich (da, wo sie sein sollte, ist ein Loch in meinem Regal). Auf YT gibts eine Menge Videos für diejenigen, die erst nur mal die Nase reinhalten wollen mein Tip: Zwakkelmann – Nashville Tennessee als Suchbegriff.

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