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SCOTT WALKER – The Drift

Mitspieler:

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Trackliste:

Cossacks Are (Walker) 4:31
Clara (Walker ) 12:43
Jesse (Walker ) 6:28
Jolson and Jones (Walker ) 7:45
Cue (Walker ) 10:27
Hand Me Ups (Walker ) 5:49
Buzzers (Walker ) 6:39
Psoriatic (Carleton, Walker) 5:51
The Escape (Walker ) 5:18
A Lover Loves Walker 3:13

SCOTT WALKER – The Drift

Sie ist ja nun bereits seit einigen Wochen auf dem Markt, und schon lange hat keine Veröffentlichung vor Erscheinen für so viel Wirbel gesorgt.

Entsprechend „hochgeistige“ Theorien wurden da aufgestellt, tiefschürfendes, welterschütterndes sollte hier auf uns zukommen.

Dabei ist es eine „ganz normale“ Platte geworden, mit dem Unterschied, dass sie , gemessen an dem , was uns heute an aktuellem „output“ überschwemmt, sicher nicht „normal“ ist.

Auf gewisse Weise erfolgte bereits vor Erscheinen des Albums eine aus meiner Sicht „Vorverurteilung“ .Ganz schnell wurden Vergleiche mit „Tilt“, dem vor 11 Jahren erschienenen Vorgänger hervorgezaubert.. Ein erwartetes „Schreckensbild“ wurde hier somit geschaffen.

In Zusammenhang damit kam es teils zu einem derartigen „Hype“, wie es mir ansonsten nur unangenehm auffällt bei neuen Teenie-Bands, wie z.B. TOKIO HOTEL. Ich mag so etwas gar nicht, wenn bereits im Vorfeld Veröffentlichungen derart belegt werden. Meine stille Freude über Veröffentlichungen, die ich sehnlichst erwarte, bleibt ohnehin nur mir.

Als dann diverse Rezensenten die Aufnahmen zur Verfügung hatten, geschah genau das von mir erwartete.

Nämlich a) Es wurden Vergleiche zu „Tilt“ gezogen. b) es wurde in der Regel versucht, Maßstäbe jeglicher Art anzusetzen, d.h. also, wie oben erwähnt, „Tilt“ als solchen, mögliche Aussage des Künstlers und seines Werks im Verhältnis zu seinem Gesamtwerk, c) tiefgehende psychologische Abhandlungen zu vermeintlich textschwangeren Inhalten wurden geschrieben (was will Herr Walker uns damit nur sagen?)
d) warum hören wir perkussives Schweineklatschen und schreiende Esel im Todeskampf?

Eines darüber, und das betrübt mich ein wenig, wurde dabei offensichtlich vergessen, sich die Musik „rein und ohne voreingenommenes Denken“ anzuhören, einfach anzuhören, nicht mehr....

Und genau das habe ich getan. So. als hätte es nie ein „Tilt“ gegeben, so , als sei dieses die erste Platte eines Musikers.
Denn, wenn man bereits voraussetzt, das könnte wieder in die Richtung „Tilt“ gehen, dann will man das auch so hören, nämlich erst einmal „Tilt“ und nicht „The Drift“!

Welchen Inhalts Texte sind, ist für mich sekundär, zunächst einmal HÖRE ich!
Dann widme ich mich den Texten, und wenn ich dann eine Einheit hergestellt habe, erst dann verknüpfe ich beides auch zu einer Gesamtbeurteilung.
Wenn von aktuellen Bands/Musikern Samples jeder Art benutzt werden, „kräht kein Hahn danach“, egal, was es auch immer ist, wenn Mr. Walker sterbende Esel, rufende Kinder oder was auch immer benutzt, muss dem ja wohl eine innere Symbolik innewohnen.

Curare, curare (Textauszug) – der Esel wurde wohl vergiftet, oder?

So habe ich versucht, mich völlig vorurteilsfrei, in mittlerweile mehreren Runden , konzentriert, weniger konzentriert und auch nebenher laufend, auf diese „symbolträchtige“ Musik zu stürzen.

Folgendes, kurz belichtet, habe ich dabei herausgefunden, und zwar gerade da am offensichtlichsten, als ich die CD im dritten Durchlauf nebenbei laufen ließ.

a) Hier ist kein zweites „Tilt“ entstanden!

b) Diese Musik hat Struktur! (obwohl das ja oft bestritten wurde)

c) Ich bemerkte (nebenbei) klaren Aufbau der meisten Stücke. (der angeblich auch nicht vorliegen soll)

d) Ein Wiedererkennungswert ist vorhanden, klarer als bei „Tilt“. (jetzt darf ich vergleichen!)

e) Die Musik ist zugänglich! ( und nicht NUR SPERRIG!)

f) Der Musik wohnt gelegentlich etwas Unheimliches inne.(es ist eine Atmosphäre geschaffen worden, die durchaus bedrückend wirken kann – wenn man es will)

g) Die Musik ist schön! (wenn man in der entsprechenden Stimmung ist)

h) Die Atmosphäre ist fesselnd .(man wird, so man sich einlässt, zum Zuhören gezwungen)

i) Hoher musikalischer Anspruch. (durch hochkarätige Musiker, u.a auch der Gitarrist Hughie Burns, einst auch in Jack Bruce’s Diensten)

j) Die Instrumente sind perfekt eingesetzt, die Musiker füllen Räume aus, setzen Akzente, tragen Scott’s Stimme, die mitunter opernhaft agiert.

k) Die Kompositionen geben stets neue Nuancen frei, es gibt viel zu hören und entdecken.

l) Die Musik ist sehr spannend, sehr fordernd.


Die Texte habe ich noch nicht näher betrachtet. Nach einer Literaturstunde war mir noch nicht. Ich denke, man kann sie unterschiedlich interpretieren. Näheres dürfte der Künstler wissen.
Er schreibt über Mussolini, über Elvis’ Zwillingsbruder, über den Terroranschlag auf die Twin Towers

Schauen wir einmal, ob das also meinen Intellekt anspricht oder ob ich vielleicht doch ein anderes Buch lieber lese?

Fazit : ein gelungenes Werk, das Kritiker lieber irdisch als abgehoben betrachten sollten, es sei denn, sie seien selbst bereits in anderen Galaxien..... (vielleicht, um dort eine neue Veröffentlichung von SUN RA analysieren zu wollen...?)

Insofern bin ich einmal gespannt auf weitere Reaktionen.......

Wolfgang